Sonntag, 8. Dezember 2013

08.12.2013

Jan Brueghel the Elder - Landscape with Hermes, Helios and Selene.Quelle Wikipedia

Hermes hatte – wie so oft - nicht zugehört. Er war zur Mondin geeilt, die gerade lautlos, in einem atemberaubend türkisfarbenem Gewand, das sanft ihre - gerade volle Figur umspielte, in die Kuppel der Feuerburg geschwebt war. Anmutig sank sie auf das nächste Polster, seufzte und rieb sich sacht den runden Bauch, der sanft leuchtete, wie ihre ganze Gestalt.
Die letzten Worte der schönen Aphrodite hatte sie jedoch vernommen und nickte zustimmend. Dies kam Hermes sehr recht, denn er war ein schlauer Kopf, dem Müßiggang und langsames Denken nicht lagen. Stern wußte, daß er machmal auch Schlitzohr genannt wurde. Und so wie er das sah, schien es zu stimmen. „Ach Schönheit und Phantasie“ sprach Hermes laut, davon könne er wohl ein trauriges Liedchen singen. Er habe noch ein Mal alles zusammen getragen, was es zu berichten gäbe. Insgesamt, flötete Hermes elegant, gelte es nach seiner Meinung, den Elfen und Feen wieder mehr Beachtung zukommen zu lassen. Er habe auch einen Vorschlag zu machen, wie man vergeßliche Menschenkinder am besten erreichen könne. Er selber könne natürlich nicht in jedes Kinderohr schlüpfen, aber es gäbe doch noch Märchen und Geschichten, die den Kindern vorgelesen werden und da müßte sich doch etwas machen lassen. Mit leichter Hand zog er ein golden schimmerndes Pergament aus seiner Jackentasche und begann laut zu lesen.

Stern Taler saß während dessen in einer Nische der Feuerburg, in der sich die Sternennester befinden und versuchte einen Blick auf die farbenprächtige Gesellschaft weiter oben zu erhaschen. Wohl hörte er die Worte deutlich, doch zu gerne hätte er einen Blick auf den Rat der Himmelslichter geworfen. Stern beugte sich sehr weit aus seinem Nest und hörte, wie Hermes das Wort wieder ergriff. Nun sprach er darüber, weshalb der Rat der Himmelslichter sich heute in der Feuerburg versammelt hatte.

Das Reich des Luftigen Volkes, der Elfen und Feen der Luft, ist unendlich groß und weit. Wie für alle Elemente gibt so viele unterschiedliche Feen, wie es verschiedene Menschen, Tiere oder Pflanzen gibt.
Für die vier Elemente, die Menschen sehen oder berühren können, verkündete Hermes laut, gibt es, soweit bekannt ist, jeweils eine ihrer Art. Also für die Luft, z.B. Flugwappische, Luftfeen und Luftelfen. Diesees Völkchen kommt gerne mit dem Wind und macht häufig Späße. Sie lieben es die Haare von Groß und Klein zu zerzausen. Auch wenn sie eigentlich von Natur aus gutmütig sind und am liebsten Witze machen und lachen. Im Sommer, wenn sie sich freuen, kitzeln sie Menschenkinder an den Nasen, so daß man denkt, hmmm, irgend etwas riecht hier lecker, wie ein guter Kuchen. Oder sie flüstern einem etwas Wunderbares in die Ohren, so daß man denkt, ein kleines Kätzchen hätte miaut. Das sind kleine Scherze der Luftfeen. Richtige Luftikusse, eben. Sie lassen sich gerne mit dem Wind ein, necken ihn und spielen mit ihm. Nicht, daß der Wind sie jemals fangen könnte, denn das Reich der Luftfeen ist zu zart für den Wind. So nickt und raunt er gutmütig zu ihren Späßen und hört zu, wenn die Feen der Luft ihre Blumen aus Liedern malen. Lufttänzer, Staubgesichter und Zauberworte – so ziehen sie durch das Land und die Luft. Kein Ort ist vor ihnen sicher, nur im Winter, wenn das Wasser zu Eis wird, verändern die Luftfeen ihre Farbe. Sie werden blau und suchen sich einen Platz, an dem sie ihren Winterschlaf halten können.
Davon abgesehen lieben sie sanfte, gelbe Farben. Sie sind so, wie es an einem Sonntag am frühen Morgen im Frühling riecht. Wer ein Mal gesehen hat, wie ein Zitronenfalter über einer Blüte flattert, hat vielleicht eine kleine Vorstellung von ihnen. Man sollte sie jedoch trotz ihrer Zartheit nicht unterschätzen. Sie sind klug und gewitzt aber auch zäh und etwas penetrant, wenn sie den Faden ihrer Geschichte verloren haben. Eigentlich reden sie für ihr Leben gerne über und mit Gott und der Welt, erzählen Neuigkeiten und Geschichten. Und jedermann weiß es, Luftfeen haben Bücher und die Zeitung erfunden. So kommen ihre Geschichten und Neuigkeiten noch schneller zu Menschenkindern. Manche behaupten, daß sie auch bei der Entstehung von Funk und Fernsehen ihre zarten Fingerchen im Spiel gehabt hätten, doch das verneinen diese Wesen. Sie sind stets auf dem Sprung und wenn du nicht schnell genug bist, sind sie weg, auf zu neuen Taten. Das nächste Lachen suchen und nur manchmal, wenn sie müde sind, ruhen sie sich eine Weile im Schatten des Windes aus. In alten Zeiten trugen sie, ebenso wie ich, an ihren Füßen geflügelte Schuhe. Das sind die Luftfeen.
Hermes lächelte voller Stolz, denn dieses Völkchen war so ganz nach seinem Geschmack - und blickte erwartungsvoll in die Runde. Zu seinem Leidwesen stellte er fest, daß die Anwesenden ihm zwar zugehört hatten, ihre Nasen jedoch tief in den Elfenkurier steckten. So sprach er weiter – über das Reich der Steine und Erde. Er begann mit dem Zitat eines Dichters, Khalil Gibran, das da lautet: „Bäume sind Gedichte, die die Erde in den Himmel schreibt.“




Dienstag, 3. Dezember 2013

04.12.2013

Die Geburt der Venus - Detail - Sandro Botticelli
(Wikipedia)

Hermes, der seit alters her sehr gerne und sehr viel sprach, raunte die letzten Worte einer Geschichte in die Runde und versuchte danach heimlich, der entzückenden Aphrodite ins Ohr zu schlüpfen, um nur ihr eine weitere Geschichte zum Besten zu geben. Dazu muß man wissen, daß Hermes, wie alle anderen auch, viele Namen trägt, einer davon lautet nicht zu Unrecht „Gott der Frechheit“. Doch Aphrodite, anmutig und stolz, verbat sich Hermes Benehmen. Eine kleine Unterhaltung mit Mars wäre ihr lieber gewesen. Denn dabei wären sicher die Funken geflogen. Da er jedoch noch nicht eingetroffen war, richtete sie ihren prachtvollen, silbernen Gürtel noch ein Mal und strich liebevoll über die Saiten ihrer glänzenden Harfe, sodaß liebliche Musik erklang. Danach klopfte sie an ihr Glas das zart, wie aus Feenflügeln gemacht schien und sprach in die Runde. Ob man denn unbedingt länger auf die anderen Mitglieder des Rates warten müsse, da ihre Dienste noch anderweitig benötigt würden.


Ihr besonderes Anliegen sei, den Menschen die schönen Dinge des Lebens und die Liebe wieder in das Bewußtsein zu bringen. In einer Zeit, in der man nur in flimmernde viereckige Kasten sehe, in dem bunte Bilder flattern, wie Hühner hinter denen der Fuchs her ist, wäre es kein Wunder, daß die Menschenkinder träge und vergeßlich geworden seien. So sprach die anmutige Venus ein wenig verärgert und stellte die schöne Harfe unsanft auf die Erde. 

Stern Taler hörte auf seinem Platz ihre liebliche Stimme, die verkündetete, daß es kaum noch Phantasie, geschweige denn Schönheit bei Menschenkindern gäbe. Die Menschen hätten verlernt, was Freundlichkeit und Anmut sei und würden die Dinge, die Mutter Natur ihnen täglich zum Geschenk mache, nicht mehr schätzen. So sprach Aphrodite, schüttelte voller Anmut ihr langes, seidiges Haar, schaute kurz in ihren Spiegel aus Elfenglas und musterte danach Hermes. 
Er machte in seinen zierlichen Schuhen aus Gold und Silber eigentlich keine schlechte Figur. Doch sie fand ihn wie immer ein wenig kühl und unberechenbar.  

03.12.2013


Ritterstern
Auch der funkelnde Pluto wartete auf den alten Kronos, den Hüter der Zeit, der noch mit dem Aufziehen seiner Uhren beschäftigt war. Hermes, der dem Rat heute berichten wollte, wartete bereits ungeduldig. Er kam selten zu spät. Er war pünktlich wie die Sonne, der er ein treuer Freund war. Die Sonne und Jupiter nahmen ebenfalls am Tisch des Rates Platz. Der Jüngste der Ratsmitglieder, Uranus fehlte noch, wahrscheinlich hatte er die Sternenbahn verpaßt. Sicher hatte er nicht rechtzeitig mit seinem letzten Spiel aufgehört. Der Rat der Himmelslichter traf sich, um über die Planeten und die Menschenkinder des Universums zu sprechen und wenn nötig ihre Geschicke ein wenig zu lenken.


So ein Planet ist ein gut durchdachtes System, das ebenso, wie ein Haus, regelmäßiger Pflege und viel Aufmerksamkeit bedarf. Das wußte Stern. Für das heutige Treffen hatten sich alle auf ein Thema geeinigt, das nach ihrer Ansicht dringend besprochen werden sollte. Es ging um das Vergessen. Um verlorene Gedanken und verlorene Kinder und ihre Welten. Eine große Sache also, wie jeder verstehen wird. Etwas, das man nicht in fünf Minuten zu Ende bringen kann. Doch erst wenn alle eingetroffen wären, wollte der Rat der Himmelslichter mit der Unterhaltung beginnen.

Bis dahin vertrieben sich die anwesenden Planeten, in alten Mythen nennt man sie auch Götter, die Zeit mit angenehmen Plaudereien.

Freitag, 29. November 2013

Es war einmal

eine Zeit, da dachte ich, es könne schön sein, ein Märchen zu schreiben. Ein Märchen für Erwachsene und vielleicht ein klein wenig anders - oder doch ganz genau so, wie Märchen eben sind. Also überlegte ich und irgendwann war die Idee zu meinem Märchen geboren.  Die wunderbaren Worte der Hildegard von Bingen sind sozusagen mein Leitstern auf diesem Weg und erinnern mich jeden Tag daran, wie besonders dieses Leben ist:

*** Du hast in dir den Himmel und die Erde ***

und so heißt mein Märchen 


"Zwischen Himmel und Erde - 
Stern´s Geschichte 




Es ist ein Feenmärchen, eine Planetengeschichte für Erwachsene & erwachsene Kinder.

In der Feuerburg wurde er Stern gerufen, Stern Taler. Er war ein kleiner Stern, der sich noch in der Ausbildung befand. Seine Tage waren ausgefüllt mit Lernen und kleinen Reisen, mit heimlichen Spielen unter den goldenen Glaskuppeln der Feuerburg und er war sehr aufgeregt. Jedenfalls heute. Es war das erste Mal in seinem jungen Sternenleben, dass er ein wenig Zeit in der Nähe des Rates der Himmelslichter verbringen durfte. Man hatte ihm gesagt, er solle gut aufpassen - sich aber nicht zeigen.

Stern Taleer war sehr stolz, dass man ihn ausgewählt hatte. Er freute sich sehr, endlich die Mitglieder des Rates zu sehen, sie gar kennen zu lernen. Diesen Rat gab es bereits seit undenklichen Zeiten, schon sein ganzes Sternenleben lang und viel länger. Er wusste nur, dass es eine Zeit vor den Spiralnebeln gegeben hatte, in denen sich jener Rat zusammengefunden hatte.
Weit hinter den Gärten der Regenbogen, hoch in den Kuppeln über der Feuerburg, fand sich heute eine bunte Gesellschaft zusammen. Hermes, der Götterbote, den man im alten Roma auch Merkur nannte. Aphrodite, die Schaumgeborene, auch sie trug im alten Rom einen ihrer vielen anderen Namen, dort nannte man sie Venus ...








Copyright Texte und Bilder Erika Nittel-Traser






Freitag, 15. November 2013

Die Sterntaler

Ein Märchen der Brüder Grimm

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.

Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: "Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig." Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: "Gott segne dir's," und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: "Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann." Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: "Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben," und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.