Freitag, 29. November 2013

Es war einmal

eine Zeit, da dachte ich, es könne schön sein, ein Märchen zu schreiben. Ein Märchen für Erwachsene und vielleicht ein klein wenig anders - oder doch ganz genau so, wie Märchen eben sind. Also überlegte ich und irgendwann war die Idee zu meinem Märchen geboren.  Die wunderbaren Worte der Hildegard von Bingen sind sozusagen mein Leitstern auf diesem Weg und erinnern mich jeden Tag daran, wie besonders dieses Leben ist:

*** Du hast in dir den Himmel und die Erde ***

und so heißt mein Märchen 


"Zwischen Himmel und Erde - 
Stern´s Geschichte 




Es ist ein Feenmärchen, eine Planetengeschichte für Erwachsene & erwachsene Kinder.

In der Feuerburg wurde er Stern gerufen, Stern Taler. Er war ein kleiner Stern, der sich noch in der Ausbildung befand. Seine Tage waren ausgefüllt mit Lernen und kleinen Reisen, mit heimlichen Spielen unter den goldenen Glaskuppeln der Feuerburg und er war sehr aufgeregt. Jedenfalls heute. Es war das erste Mal in seinem jungen Sternenleben, dass er ein wenig Zeit in der Nähe des Rates der Himmelslichter verbringen durfte. Man hatte ihm gesagt, er solle gut aufpassen - sich aber nicht zeigen.

Stern Taleer war sehr stolz, dass man ihn ausgewählt hatte. Er freute sich sehr, endlich die Mitglieder des Rates zu sehen, sie gar kennen zu lernen. Diesen Rat gab es bereits seit undenklichen Zeiten, schon sein ganzes Sternenleben lang und viel länger. Er wusste nur, dass es eine Zeit vor den Spiralnebeln gegeben hatte, in denen sich jener Rat zusammengefunden hatte.
Weit hinter den Gärten der Regenbogen, hoch in den Kuppeln über der Feuerburg, fand sich heute eine bunte Gesellschaft zusammen. Hermes, der Götterbote, den man im alten Roma auch Merkur nannte. Aphrodite, die Schaumgeborene, auch sie trug im alten Rom einen ihrer vielen anderen Namen, dort nannte man sie Venus ...








Copyright Texte und Bilder Erika Nittel-Traser






Freitag, 15. November 2013

Die Sterntaler

Ein Märchen der Brüder Grimm

Es war einmal ein kleines Mädchen, dem war Vater und Mutter gestorben, und es war so arm, dass es kein Kämmerchen mehr hatte, darin zu wohnen, und kein Bettchen mehr hatte, darin zu schlafen, und endlich gar nichts mehr als die Kleider auf dem Leib und ein Stückchen Brot in der Hand, das ihm ein mitleidiges Herz geschenkt hatte. Es war aber gut und fromm. Und weil es so von aller Welt verlassen war, ging es im Vertrauen auf den lieben Gott hinaus ins Feld.

Da begegnete ihm ein armer Mann, der sprach: "Ach, gib mir etwas zu essen, ich bin so hungrig." Es reichte ihm das ganze Stückchen Brot und sagte: "Gott segne dir's," und ging weiter. Da kam ein Kind, das jammerte und sprach: "Es friert mich so an meinem Kopfe, schenk mir etwas, womit ich ihn bedecken kann." Da tat es seine Mütze ab und gab sie ihm. Und als es noch eine Weile gegangen war, kam wieder ein Kind und hatte kein Leibchen an und fror: da gab es ihm seins; und noch weiter, da bat eins um ein Röcklein, das gab es auch von sich hin. Endlich gelangte es in einen Wald, und es war schon dunkel geworden, da kam noch eins und bat um ein Hemdlein, und das fromme Mädchen dachte: "Es ist dunkle Nacht, da sieht dich niemand, du kannst wohl dein Hemd weggeben," und zog das Hemd ab und gab es auch noch hin.

Und wie es so stand und gar nichts mehr hatte, fielen auf einmal die Sterne vom Himmel, und waren lauter blanke Taler; und ob es gleich sein Hemdlein weggegeben, so hatte es ein neues an, und das war vom allerfeinsten Linnen. Da sammelte es sich die Taler hinein und war reich für sein Lebtag.