Dienstag, 3. Dezember 2013

04.12.2013

Die Geburt der Venus - Detail - Sandro Botticelli
(Wikipedia)

Hermes, der seit alters her sehr gerne und sehr viel sprach, raunte die letzten Worte einer Geschichte in die Runde und versuchte danach heimlich, der entzückenden Aphrodite ins Ohr zu schlüpfen, um nur ihr eine weitere Geschichte zum Besten zu geben. Dazu muß man wissen, daß Hermes, wie alle anderen auch, viele Namen trägt, einer davon lautet nicht zu Unrecht „Gott der Frechheit“. Doch Aphrodite, anmutig und stolz, verbat sich Hermes Benehmen. Eine kleine Unterhaltung mit Mars wäre ihr lieber gewesen. Denn dabei wären sicher die Funken geflogen. Da er jedoch noch nicht eingetroffen war, richtete sie ihren prachtvollen, silbernen Gürtel noch ein Mal und strich liebevoll über die Saiten ihrer glänzenden Harfe, sodaß liebliche Musik erklang. Danach klopfte sie an ihr Glas das zart, wie aus Feenflügeln gemacht schien und sprach in die Runde. Ob man denn unbedingt länger auf die anderen Mitglieder des Rates warten müsse, da ihre Dienste noch anderweitig benötigt würden.


Ihr besonderes Anliegen sei, den Menschen die schönen Dinge des Lebens und die Liebe wieder in das Bewußtsein zu bringen. In einer Zeit, in der man nur in flimmernde viereckige Kasten sehe, in dem bunte Bilder flattern, wie Hühner hinter denen der Fuchs her ist, wäre es kein Wunder, daß die Menschenkinder träge und vergeßlich geworden seien. So sprach die anmutige Venus ein wenig verärgert und stellte die schöne Harfe unsanft auf die Erde. 

Stern Taler hörte auf seinem Platz ihre liebliche Stimme, die verkündetete, daß es kaum noch Phantasie, geschweige denn Schönheit bei Menschenkindern gäbe. Die Menschen hätten verlernt, was Freundlichkeit und Anmut sei und würden die Dinge, die Mutter Natur ihnen täglich zum Geschenk mache, nicht mehr schätzen. So sprach Aphrodite, schüttelte voller Anmut ihr langes, seidiges Haar, schaute kurz in ihren Spiegel aus Elfenglas und musterte danach Hermes. 
Er machte in seinen zierlichen Schuhen aus Gold und Silber eigentlich keine schlechte Figur. Doch sie fand ihn wie immer ein wenig kühl und unberechenbar.  

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